24. November 2017

Orthopädie, Traumatologie

Akupunktur bei chronischem Nackenschmerz

In dieser Studie wurden bei Patienten mit chronischem, unkomplizertem Nackenschmerz (177 Patienten, Durchschnittsalter 52 Jahre) drei Therapieformen verglichen: Akupunktur (gemäß den Richtlinien der traditionellen chinesischen Medizin), konventionelle Massagen und Scheinlaserakupunktur). Die Anwendungen wurden fünfmal innerhalb von drei Wochen durchgeführt. Die Patienten gaben vor der Behandlung und eine Woche nach Abschluß die Schmerzintensität anhand einer 100 Punkte umfassenden Visuellen Analog-Skala an. Dabei wurden durch die Akupunktur-Behandlung die größte Verbesserung erzielt (24 Punkte im Vergleich zu 17 Punkten bei der Scheinlaserakupunktur und 8 Punkten bei der Massage). Insbesondere bei Patienten mit einer langen Anamnese (> 5 Jahre) und beim Vorliegen eines myofaszialen Schmerzsyndroms war die Akupunktur erfolgreich.

Original: Randomised trial of a acupuncture compared with conventional massage and "sham" laser acupuncture for treatment of chronic neck pain.

IRNICH D, BEHRENS N, MOLZEN H, KONIG A, GLEDITSCH J, KRAUSS M, NATALIS M, SENN E, BEYER A, SCHOPS P.(Quelle: BMJ 2001; 322: 1574-1578.)

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Botulinus-Toxin bei chronischem LWS-Schmerz

Hoffnung für viele Betroffene mit chronischem Rückenschmerz: In einer amerikanischen Studie wurden Botulinus-Injektionen (bzw. in der Kontrollgruppe Kochsalzinjektionen) bei Patienten mit chronischem Rückenschmerz vorgenommen. Die Patienten litten zu dem Zeitpunkt der ersten Injektion im Durchschnitt 6 Jahre an chronischem unteren Rückenschmerz. Nach 3 Wochen gaben 73% der Patienten ein Nachlassen der Schmerzen um mindestens die Hälfte an, verglichen mit 25 % der Kontrollgruppe. Nach 8 Wochen verspürten noch 60% der Patienten eine Verbesserung, allerdings ließ die Wirkung nach 3-5 Monaten nach. Weiterhin gaben 67% eine Verbesserung der Bewältigung von Alltagsaktivitäten an. Unerwünschte Wirkungen traten nicht auf.
Der pathogenetische Mechanismus dieser positiven Effekte ist noch nicht geklärt-aber die Behandlung mit Botulinus-Toxin könnte sich zu einer wichtigen Behandlungsmöglichkeit des chronischen Rückenschmerzes entwickeln.

"Botulinum toxin A and chronic low back pain: A randomized, double-blind study"

FOSTER L, CLAPP L, ERICKSON M, JABBARI B (Aus Neurology: 2001; 56: 1290-1293)

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Verzögerte Diagnosestellung der vorderen Kreuzbandruptur

70 Personen, die eine vordere Kreuzbandruptur erlitten hatten, wurden bezüglich des Unfallhergangs und dem Zeitpunkt der Diagnosestellung befragt: 79% konsultierten innerhalb der ersten 24 h nach dem Unfall einen Arzt. Bei 16 % der Befragten wurde die richtige Diagnose bei der ersten Untersuchung gestellt, 49% mußten vor Diagnosestellung zwei Ärzte, 36% drei oder mehr Ärzte zu Rat ziehen. Die genauere Befragung zeigte dann, dass 77 % ein Reißen, 43 % ein Krachen und 37 % ein Knallen während des Traumas wahrnahmen. Es ist demnach wichtig, nach diesen Wahrnehmungen gezielt zu fragen. Bemängelt wurde weiterhin die fehlende Beratung nach Diagnosestellung, insbesondere bezüglich präventiver Verhaltensmaßregeln bei weiterer Sportausübung.

HARTNETT N, TREGONNING RJ (Original: Delay in diagnosis of anterior cruciate ligament injury in sport) (Aus N Z Med J, 2001; 114 (1124):11-3).

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Frauenschuhe und Knieosteoarthritis

Es wurde der Zusammenhang zwischen Schuhabsatzhöhe und Kniegelenksbelastung gemessen, indem die Gelenk-Bewegungen beim Gehen mit mittelhohen und hohen Absätzen mit dem Barfußgehen verglichen wurden. Dabei zeigte sich, dass beim Gehen mit hohem Absatz eine unphysiologisch hohe Kraft auf die patellofemoralen und medialen Bereiche des Kniegelenkes ausgeübt werden, also auf die Bereich, die die typischen Prädilektionsstellen für degenerative Knieveränderungen sind.

KERRIGAN DC, LELAS JL, KARVOSKY ME (Original: Women`s shoes and knee osteoarthritis) (Aus Lancet, 20010407; 357 (9262): 1097-8.).

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Die Effizienz von Handgelenkschoner beim Snowboarden

Handgelenksverletzungen treten gehäuft beim Inline-Skating und Snowboarden auf. Der Nutzen von Handgelekschützern zur Vermeidung dieser Verletzungen wurde in der Literatur bisher kontrovers beurteilt. Während in einigen Studien die Verwendung empfohlen wir, wird in anderen Studien darauf verwiesen, dass durch die Schützer die Verletzung nur auf den Unterarm übertragen wird. In dieser Studie wurde das Auftreten von Verletzungen bei mehr als 5000 Snowboardern untersucht; etwa 2500 trugen Handgelenkschützern, die andere Hälfte trug keine. Es zeigte sich, dass in der Gruppe mit Handgelenkschützern signifikant weniger Verletzungen (Frakturen oder Verstauchungen mit mindestens 3 Tage andauernder schmerzhafter Bewegungseinschränkung) des Handgelenkes
auftraten. In dieser Gruppe kam es nicht zu gehäuften Verletzungen des Unterarm.
Das Tragen von Handgelenkschützern sollte - insbesondere Anfängern - demnach empfohlen werden.

RONNONG R, RONNING I, GERNER T, ENGEBRETSEN L "The efficacy of wrist protectors in preventing snowboarding injuries" Quelle: Am J Sports Med 2001; 29:581-585.

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Zweikammerorthesen bei Außenbandläsion effektiver

Die akute Außenbandruptur des Sprunggelenkes wird heute vor allem konservativ mit Schiene und früher funktioneller Beanspruchung therapiert. Es werden verschiedene Orthesen eingesetzt. In dieser Studie wurden anhand von 56 Probanden mit unilateraler fibularer Bandläsion zwei Orthesen - die Einkammer- und die Zweikammerluftpolsterschiene - hinsichtlich ihres Einflusses auf den Schwellungsverlauf verglichen: Die Zweikammerschiene führte zu einem signifikant schnelleren und größeren Schwellungsrückgang als die Einkammerschiene (Rückgang der Schwellung nach 5 Tagen um 67 ml, im Vergleich nur 28 ml bei der Einkammerschiene).

SCHMIDT R, MEINERS S, REINTGES H, LIPKE K, BENESCH S, GERNGROSS H.

"Konservative Therapie der akuten Außenbandläsion- Einkammer- versus Zweikammerorthesensysteme" Dtsche Z Sportmed 2001; 11: 321-325.

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MRT bei Knorpelschäden nicht ausreichend sensitiv

Bei 195 Probanden, die unter Knieschmerzen klagten, wurde zunächst eine MRT und im Anschluss eine Arthroskopie durchgeführt. Es zeigte sich, dass Knorpelschäden zweiten Grades in drei Viertel aller Fälle nicht durch die MRT diagnostiziert wurden. Auch schwerere Knorpelschäden wurden durch die MRT übersehen. Am schlechtesten zu beurteilen waren Knorpelschäden im Bereich des Tibiaplateaus, am besten Verletzungen des Patello-Femoralgelenkes. Demnach sollte bei Verdacht auf Knorpelschaden sogleich eine Arthroskopie durchgeführt werden, da die MRT keine zuverlässige Aussage liefert.

FRIEMERT B, SCHWARZ W, GERNGROSS H.

Z Orthop 139, M97-99.

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Mundschutz bei Kontaktsportarten

Es wurden Topathleten aus 10 Kontaktsportart-Verbänden bezüglich des Vorkommens von Zahn,- Mund-und Kieferverletzungen und der Verwendung eines Mundschutzes befragt. Von den 303 antwortenden Sportlern hatten 62 % bereits einmal einen Mundschutz getragen, 47,3 % (davon 57,8% männlich, 38,3 % weiblich) trugen regelmäßig einen Mundschutz. Die Hälfte der Mundschutze wurden von einem Zahnarzt handgefertigt, die andere Hälfte waren in einem Geschäft gekauft. Bei Athleten, die keinen Mundschutz trugen kam es 7mal zu einem angebrochenen und 14mal zu einem komplett herausgeschlagenen Zahn, während bei den Athleten mit Mundschutz nur von einem angebrochenen Zahn berichtet wurde. Als häufigste Probleme bei der Verwendung eines Mundschutzes wurden Sprachprobleme (19,9%), Atemprobleme (3,4%) und Anpassungsschwierigkeiten (4,8%) genannt, wobei letztere häufiger bei den gekauften Mundschutzen auftraten.

BEMELSMANN P, PFEIFFER P(Originaltitel: Incidence of dental, mouth, and jaw injuries and the efficacy of mouthguards in top ranking athletes)
(Aus Sportverletz Sportschaden, 2000; 14 (4); 139-43.)

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Zusammenhang zwischen Vitamin D-Spiegel und körperlicher Fitness bei Älteren

Ein Kollektiv von Senioren, die in einer Gemeinschaftseinrichtung leben, wurde in dieser Studie untersucht. Zunächst wurden der Vitamin-D-Spiegel, der Albumin-Spiegel und anthropometrische Daten (z.B. BMI) erhoben. Danach wurde bei den Probanden die isometrische Arm-und Beinkraft gemessen. Es zeigte sich, dass zum einen in der Frauengruppe signifikant häufiger Hypovitaminosen (definiert als ein Vitamin-D-Spiegel < 37,5 mmol/l) vorkamen, als in der Männergruppe, zum anderen das bei den Frauen die Muskelkraft deutlich von dem vorliegenden Vitamin-D-Spiegel abhängig war. Weiterhin war der Vitamin-D-Spiegel der körperlich eingeschränkten Frauen geringer als der in der Gruppe ohne körperliche Einschränkung.

ZAMBONI M, ZOICO E, TOSONI P, ZIVELONGHI A, BORTOLANI A, MAGGI S, DI FRANCESCO V, BOSELLO O.

Original: Relation between vitamin d, physical performance, and disability in elderly persons. J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2002; 57: M7-M11.

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Rallyefahren schädigt den Rücken

Rallyefahrer sind während des Rennens starken Vibrationen ausgesetzt -dass diese zu schweren körperlichen Schäden führen können, zeigte eine im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Studie. Mehr als 100 Rallyefahrer (13 Professionelle, 105 Amateurfahrer) wurden zu ihren körperlichen Beschwerden nach einem Rennen befragt. Sieben von zehn Fahrern klagten über (vor allem im LWS - Bereich lokalisierte) Schmerzen, fast 50% hatten Schulterschmerzen, beinahe ein Drittel litt an Schmerzen im Hangelenks-oder Handbereich. Es wurde weiterhin gezeigt, dass 12 % der Befragten ernsthafte Rückenschäden (wie z.B. Bandscheibenvorfälle oder Wirbelbrüche) aufwiesen. Ebenfalls betroffen waren die Beifahrer, von denen zwei Drittel an Nackenproblemen litt.

MANSFIELD NJ, MARSHALL JM Original: Symtoms of muscoskelatal disorders in stage rallye drivers and co-drivers. Br J Sports Med 2001; 35:314-320.

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Schränken Orthesen die körperliche Leistungsfähigkeit ein?

Dieser Frage wurde in einer Hamburger Studie nachgegangen, indem 35 Probanden mit oder ohne Orthese (SofTec von Bauerfeind) eine standardisierte Laufbandergometrie durchführten und dabei verschiedene Parameter überprüft wurden (Laktat, subjektive Erschöpfung nach der Borg-Skala, Herzfrequenz und respiratorische Parameter). Es zeigte sich, dass einige physiologische Parameter (Laktat, Ventilation, RQ) in der Orthesen-Gruppe anstiegen, bedingt durch eine leichte Zunahme des intrakompartementalen Druckes (führt zu einer Akkumulation bestimmter Metabolite) und die dadurch reaktiv stimulierte Atmung. Insgesamt kam es zu einer leichten Verschlechterung der körperlichen Leistungsfähigkeit, dieses ist jedoch als gering im Vergleich zum therapeutischen Benefit zu betrachten.

Original: The Influence Of Braces On Physical Performance

REER R, BECKMANN W, BRAUMANN KM (Quelle: Vortrag auf dem 6. Kongress des European College of Sport Science in Köln vom 24.-28.7.01)