24. September 2017

Innere Medizin

Statine nicht nur bei Hypercholesterinämie

Auf dem diesjährigen Kongress der American Heart Association wurden die vorläufigen Ergebnisse der "Heart Protection Study", dem bisher größten Forschungsprojekt zur medikamentösen Cholesterinsenkung, vorgestellt. An der Studie nahmen mehr als 20 500 Patienten teil, bei denen aufgrund einer Vorerkrankung (z. B. Diabetes mellitus, Herzinfarkt oder Koronareignis in der Vorgeschichte etc.) von einem erhöhten Risiko für Koronarereignise auszugehen war. Die Probanden hatten eine Gemeinsamkeit: es lag bei ihnen weder Indikation noch Kontraindikation für eine Statintherapie vor. Sie wurden über 5 Jahre mit Simvastatin (40 mg/d) oder einem Placebo behandelt. Es zeigte sich, dass die Simvastatin-Gruppe von der Therapie deutlich profitierte: der LDL-Wert sank von durchschnittlich 130 mg/dl um 40 mg/dl, die vaskulär bedingte Mortalität sank um 17 % (von 9,2 % auf 7,7 %), die Gesamt-Mortalität um 12 % im Vergleich zur Placebo-Gruppe.

Collins et al.
AHA

Nach oben

Leptin als Prädiktor für Koronare Herzkrankheit

Leptin ist ein Hormon der Fettzellen und läßt sich im peripheren Blut bestimmen. Es ermöglicht eine Bestimmung des Körperfettes, unabhängig vom Körpergewicht. Schottische Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass bei 1150 Patienten, die ein Koronares Ereignis (bis zum Infarkt) aufwiesen, der Leptin-Spiegel um 16% höher war. Bei einer 30%igen Erhöhung des Leptin-Spiegels war das koronare Risiko um 25% erhöht. Der Leptin-Spiegel sei demnach ein deutlich aussagekräftigerer Wert als beispielsweise der Body-Mass-Index, bei dem nur Körpergröße und Gewicht- unabhängig vom Fettgehalt- miteinander in Verbindung gesetzt werden.

WALLACE AM, MCMAHON AD, PACKARD CJ, KELLY A, SHEPHERD J, GAW A, SATTAR N.

Original: Plasma leptin and the risk of cardiovascular disease in the west of Scotland coronary prevention study (WOSCOPS) Circulation 2001;104:3052-6

Nach oben

Koronares Erkrankungsrisiko abschätzen

Die prospektive kardiovaskuläre Münster (PROCAM)- Studie hat 1978 begonnen und umfasst ein Kollektiv von 30 000 Teilnehmern (ein Drittel Frauen, Alter 16-65 Jahre), die alle Arbeitnehmer in 52 Grossbetrieben sind. Die Teilnehmer erhielten zu Beginn eine Eingangsuntersuchung und werden alle 6-7 Jahre nachuntersucht sowie alle 2 Jahre mit einem Fragebogen befragt. Im Rahmen der sehr umfassenden Auswertungen wurde nun ein Punktesystem vorgestellt, anhand dessen das individuelle Risiko, in den nächsten 10 Jahren ein Koronarereignis zu bekommen ermittelt werden kann. In die Berechnung gehen in unterschiedlicher Gewichtung die folgenden Faktoren ein: Alter, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Nikotinabusus, Triglyceride, systolischer Blutdruck, Diabetes und Herzinfarkt in der Familie. Der ermittelte Punktewert entspricht dem prozentualen Risiko, in den nächsten 10 Jahren ein Koronarereignis zu bekommen.

ASSMANN G, CULLEN P, SCHULTE H.
Original: Simple Scoring Scheme for Calculating the Risk of Acute Coronary Events Based on the 10-Year Follow-Up of the Prospective Cardiovascular Munster (PROCAM) Study.
Circulation 2002; 105: 310-315.

Nach oben

Höhenlungenödem bei Bergsteigern

Das Höhenlungenödem entsteht, indem durch den in Höhe erhöhten Blutdruck in den Lungenarterien Flüssigkeit in die Lunge gelangt. Bisher wurde angenommen, dass ein solches Ödem in erster Linie bei Bergsteigern mit Vorerkrankungen auftritt. In einer italienischen Studie wurden nun mehr als 250 Freizeitbergsteiger untersucht, die einen 4559 Meter hohen Berg bestiegen. Die im Anschluss daran erfolgte Untersuchung zeigte, dass dreiviertel der Bergsteiger ein asymtomatisches Lungenödem aufwiesen.

CREMONA G, ASNAGHI R, BADERNA P, BRUNETTO A, BRUTSAERT T, CAVALLARO C, CLARK TM, COGO A, DONIS R, LANFRANCHI P, LUKS A, NOVELLO N, PANZETTA S, PERINI L, PUTNAM M, SPAGNOLATTI L, WAGNER H, WAGNER PD.

Pulmonary extravascular fluid accumulation in recreational climbers: a prospective study. Lancet 2002; 359: 303-9

Nach oben

Plötzlicher Herztod bei Leistungssportlern im Vergleich zu Nichtsportlern vermehrt

Italienische Wissenschaftler haben über 20 Jahre (1979-1999) die Sterberaten von sportlich aktiven und sportlich passiven jungen Menschen dokumentiert. Es wurden Sterbefälle von 12-35jährigen Menschen registriert. Das Risiko, an einem plötzlichen Herztod zu versterben war mit 1 zu 100 00 insgesamt sehr gering, bei den Sportlern mit 2,3 zu 100 000 jedoch deutlich höher als bei den Sportmuffeln (0,9 zu 100 000). Dieses Ergebnis zeigt erneut, wie wichtig Vorsorgeuntersuchungen bei jungen Sportlern sind, wie z.B. die regelmäßigen echokardiographischen Untersuchungen, die bereits bei den Kadersportlern durchgeführt werden.

Corrado

American Heart Association

Nach oben

Effektive Diät und Sport bei Adipositas

Die traditionellen Diäten und Sportübungen haben bisher nicht zu einer geringeren Anzahl Übergewichtiger geführt. Kalorienreduzierte Diäten bewirker zwar einen schnellen und hohen Gewichtsverlust, sind jedoch mit gehäuften Diätabbrüchen sowie mit hohen Rückfallraten verbunden. Fettreduktion beeinflusst das Körpergewicht nicht entscheidend, verbessert dafür die Blutfettwerte. Proteinreiche-und kohlenhydratarme Diäten sind bisher nicht ausreichend bezüglich ihrer Effektivität untersucht worden. "Diätfreie" Ansätze ("Gesund bei jedem Gewicht") verbesserten das Wohlbefinden, nicht jedoch die physischen und medizinischen Parameter. Einzig bei Sport als Therapie kommt es zu einer Verbesserung physischer (BMI, Gewicht, Körperfettgehalt), medizinischer (Blutdruck, Blutfette, Blutglukose), psychologischer (Selbsteinschätzung, Stimmung) und verhaltensspezifischer (Essverhalten, Gesundheitsbewustsein) Parameter. Am aussichtsreichsten bei Adipositas ist ein Programm, dass die folgenden vier Komponenten beeinhaltet: 1. Eine gründliche Anamnese mit daraus erstellten individuellen Zielen 2. Ein Sportprogramm, das Spass macht und ermutigt 3. Ein Verhaltensplan, in dem Essen und Übungseinheiten festgelegt werden und 4. Eine Art Erhaltungsplan, der hilft, die erzielten Erfolge beizubehalten.

MILLER WC

"Effective diet and exercise treatments for overweight and recommendations for intervention" Sports Med 2001; 31: 717-724.

Nach oben

Bluthochdruck entwickelt sich schnell

Auswertungen der Framingham Heart Studie (mit über 10 000 Probanden, die im Durchschnitt 52 Jahre alt waren) zeigten, dass sich Bluthochdruck häufig innerhalb weniger Jahre bildet. Bei den unter 65jährigen stieg der Blutdruck in 23 % der Fälle innerhalb von 4 Jahren von optimalen (weniger als 120/80 mmHg) oder normalen (120-129/80-84 mmHg) auf hohe Werte von über 140/90 mmHg an. Bei den über 65jährigen war diese schnelle Entwicklung sogar in 42% der Fälle zu finden.

VASAN RS, LARSON MG, LEIP EP, KANNEL WB, LEVY D

"Assessment of frequency of progression to hypertension in non-hypertensive participants in the Framingham Heart Study: a cohort study"

The Lancet 2001; 358: 1682-1686.