24. September 2017

Sonstiges

Todesfälle beim Berlin-Marathon

Immer wieder werden sportliche Grossverantstaltungen, wie z.B. Marathons nach tragischen Todesfällen wie beim diesjährigen Berlin-Marathon in Frage gestellt. Hier treten alsdann auch gleich Kritiker auf den Plan, welche eine unzureichende medizinische Versorgung der vielen Tausend Amateursportler vermuten. Doch können medizinische Einrichtungen, umfangreicher als die schon bestehenden, solche Todesfälle verhindern helfen? Diese Frage erhielt bereits 1999 in einem offenen Brief an das BMJ eine vorläufige Antwort. Es wurde aufgezeigt, dass der überwiegende Teil der Todesfälle auf eine bekannte oder eben auch unbekannte kardiale Anamnese zurückzuführen war. Besonders häufig auf die koronare Herzkrankheit und Kardiomyopathien. Autor L.C. Luke von der königlichen Universitätsklinik Liverpool wies darauf hin, dass bei einer nötigen Reanimation selbst unter Optimalbedingungen die Überlebensrate lediglich ca. 50% betrage. Abschliessend wird auf die Notwendigkeit hingewiesen Teilnehmer mit dem geringsten anamnestischen Verdacht auf eine Krankheit des Herz-Kreislaufsystems (Kurzatmigkeit, belastungsinduzierte Angina pectoris etc.) von sportlichen Veranstaltungen wie einem Marathon auszuschliessen bzw. präventive Untersuchungen Vorzunehmen.

BMJ 1999, 319:581 (August 2000)

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Bakterienkiller im Schweiß

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben im menschlichen Schweiss ein Protein - Dermcidin - nachgewiesen, welches antibiotische Wirksamkeit aufweist. Das Protein unterscheidet sich in der Struktur von den bisher bekannten Antibiotika und ist wirksam gegen E. coli, E. faecalis., Staph. aureus und Candida albicans. Es findet sich in Konzentrationen zwischen 1-10 µg/ml im menschlichen Schweiss und zeigt bereits in den geringsten Konzentrationen von 1 µg/ml antibakterielle Wirksamkeit gegen E. coli und E. faecalis, in hohen Konzentrationen von 10 µg/ml gegen Staph. aureus und Candida albicans.Wie genau Dermcidin wirkt ist bisher nicht bekannt, es ist jedoch zu vermuten, dass es eine wichtige Rolle in dem Immunsystem der Haut spielt.

SCHITTEK B, HIPFEL R, SAUER B, BAUER J, KALBACHER H, STEVANOVIC S, SCHIRLE M, SCHROEDER K, BLIN N, MEIER F, RASSNER G, GARBE C.

Original: Dermcidin: a novel human antibiotic peptide secreted by sweat glands. Nat Immunol 2001;2:1133-7.

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7 Faktoren für ein langes Leben

Langzeitstudien haben 7 Faktoren herausgestellt, die die Langlebigkeit beeinflussen: Verzicht aufs Rauchen, eine stabile Ehe, regelmäßiger Sport, ein angemessenes Gewicht, mäßiger Alkoholkonsum, die Fähigkeit, positv mit Problemen umzugehen und das Fehlen einer depressiven Erkrankung.
Demnach handelt es sich um nur einen Faktor, dem von Seiten des Betroffenen nicht entgegengesteuert werden kann - die Depression (obwohl die ja auch durch regelmässige Bewegung positiv beeinflusst werden kann).
Weiterhin deuteten die Studien darauf hin, dass eine höhere Ausbildung und eine aktive Rolle in einer großen Familie ebenfalls lebensverlängern wirken.
Die Wissenschaftler halten eine Aufklärung über diese Faktoren für ebenso wichtig, wie die Behandlung von Krankheiten.

Originaltitel: Successful aging

VAILLANT GE, MUKAMAL K (Quelle: American Journal of Psychiatry 2001; 158 (6): 839-47.)

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Haaranalyse als Dopingnachweis

Doping wird bisher in erster Linie durch Urintests nachgewiesen. Die Vorteile einer zusätzlichen Haaranalyse erklären Midio et al. in der Zeitschrift "Sports Medicine".Während durch die Urinanalyse nur der aktuelle Gebrauch einer verbotenen Substanz bewiesen wir, kann anhand einer Haaranalyse überprüft werden, ob ein Mißbrauch über längere Zeit stattfand. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn die Sportler glaubhaft versichern, nicht wissentlich verbotene Wirkstoffe zu sich genommen zu haben. In einem solchen Fall würde eine negative Haaranalyse für eine zufällige oder einmalige Aufnahme sprechen. Des weiteren gibt es Substanzen, die nicht im Urin, jedoch durch eine Haaranalyse nachweisbar sind. Bisher wird die Haaranalyse jedoch nicht von den internationalen Komitees als Nachweismethode verwendet.

MIDIO AF, de MORAES RL, SILVA OA
"The possibilities of hair analysis in the determination of involuntary doping in sports"
(Sports Med 2001; 31: 321-324)

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Fussball - Gucken ist gefährlich

Der FC Kaiserslautern schlägt so manchem auf's Herz, das zeigte eine in der Zeitschrift "Anästhesiologie und Notfallmedizin" erschienene Untersuchung. Über einen Zeitraum von 2 ½ Jahren wurden von Notfallmedizinern aus Kaiserslautern alle Kreislaufstillstände erfasst, die sich im Publikum des Stadions ereignet haben. Es zeigte sich, dass die Inzidenz im Vergleich zu den in ganz Kaiserslautern festgestellten Kreislaufstillständen (0,0015 / 10 000 Einwohner / Stunde) deutlich erhöht war (0,01/ 10 000 Besuchern/ Stunde). Aus diesem Grund raten die Autoren dazu, Risikopatienten entsprechend aufzuklären und gegebenenfalls Betablocker zu verordnen.
Unklar bleibt, ob es sich bei den Betroffenen Zuschauern um Fans der gegnerischen Mannschaft oder des FC Kaiserslautern gehandelt hat...

GREULICH et al.
(Anästhesiologie und Notfallmedizin 2001; 42: 418)

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EKG - Auffälligkeiten bei Sportlern

Um die EKG- Unterschiede zwischen Sportlern und Nicht - Sportlern zu erfassen, wurden EKG - Befunde von 100 Athleten (aus diversen Sportarten wie z. B. Schwimmen, Triathlon, Biathlon, Mountain - Biking, Langlauf etc.) und 50 Nicht - Sportlern verglichen. Folgende Unterschiede waren zu erkennen: Längere RR, PR - und QT - Intervalle in der Sportlergruppe; linksventrikuläre Hypertrophie (10 %) und inkompletter Rechtsschenkelblock (7%) bei den Sportlern - insbesondere bei Langstreckenläufern - , jedoch nicht in der Kontrollgruppe. Diese Veränderungen können zum einen als Ausdruck eines erhöhten Vagotonus bei Sportlern, zum anderen als Folge einerAnpassung an ein langes und intensives Ausdauertraining betrachtet werden.

LANGDEAU JB, BLIER L, TURCOTTE H, O'HARA G, BOULET LP

"Electrocardiographic findings in athletes: the prevalence of left ventricular hypertrophy and conduction defects" (Can J Cardiol 2001; 17: 655-699)

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Doping erobert der Breitensport

Doping erobert den Breitensport Der Schwarzmarkt in Sachen Doping blüht seit Öffnung der Grenzen Osteuropas. In zunehmendem Masse finden neben anabolen Steroiden besonders Wachstumshormone, Insulin und der Insulin-like-Growth-Factor I reissenden Absatz. Allein in Deutschland wird der Jahresumsatz auf dem Schwarzmarkt auf 100 Millionen Mark geschätzt. Selbst Kinder wenden mittlerweile Doping-Substanzen an, teilweise ohne überhaupt Sort zu treiben. Die Dosierungen übersteigen dabei die Therapeutischen Empfehlungen zumeist um ein vielfaches. Problematisch sind zudem Verunreinigungen der Substanzen, sowie eine weitverbreitete "Polypragmasie" im Zusammenhang mit der Einnahme dieser Mittel. Der Artikel gibt Hinweis über Mögliche Konsequenzen und Dauerschäden der Anwendung, sowie praktische Tipps für den Alltag in Klinik und Praxis hinsichtlich des Erkennens eines Missbrauchs.

Medical-Tribune Deutschland (35) 1997 S.8